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Jahr 2010

 

Überblick über den Inhalt dieser Seite

 

Auf dieser Seite werden die Texte bzw. Inhalte einiger Vorträge aus dem Jahre 2010 abgedruckt:

15.07.2010 (Heidelberg): Pannoniens spätantikes Erbe. Referent: Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Géza Alföldy (Heidelberg)

15. + 16.11.2010 (Berlin / Leipzig): Die ungarische "Judenfrage" in der Horthy-Zeit. Referent: Dr. Krisztián Ungváry (Budapest)

06.12.2010 (Berlin): Zips und Siebenbürgen unter den ungarischen Königen im Mittelalter. Referent: Prof. Dr. Konrad Gündisch (Oldenburg)

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VORTRAG am 15.07.2010 (Heidelberg)

Pannoniens spätantikes Erbe: 125 Jahre archäologische Forschung in Keszthely-Fenékpuszta
 
Referent: Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Géza ALFÖLDY, Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Ort: Universitätsmuseum in der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Grabengasse 1, 69117 HEIDELBERG
Datum/Uhrzeit: Donnerstag, 15.07.2010 um 19.30 Uhr

VORTRAG von Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Géza ALFÖLDY zur Eröffnung der Sonderausstellung "Pannonien, spätantikes Erbe - 125 Jahre archäologische Forschung in Keszthely-Fenékpuszta", die vom DUG-Mitglied, der Archäologin Frau Dr. Orsolya HEINRICH-TAMÁSKA, vorbereitet und kuratiert wurde und zu deren Verwirklichung sich das Balaton-Museum, die Universität Heidelberg und die Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG) mit Sitz in Berlin zusammengefunden haben:
 
Zehn Jahre ist es her, daß ich die Ehre und die Freude hatte, im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg den Eröffnungsvortrag zu der Ausstellung "Von Augustus bis Attila. Leben am ungarischen Donaulimes" zu halten, die von vielen Bürgern dieser Stadt und von zahlreichen weiteren Interessenten besucht wurde. Es ist für mich eine große Freude, heute wieder eine Heidelberger Ausstellung eröffnen zu dürfen, die ebenso wie die vorherige der Hinterlassenschaft der Römer, aber auch ihrer Nachfolger im Frühen Mittelalter in Ungarn gewidmet ist.
 
Der westliche Teil des heutigen Landes Ungarn, zwischen der Donau und der Drau, gehörte seit der Ausdehnung der römischen Herrschaft bis zur Donau unter Kaiser Augustus zu der römischen Provinz Pannonien, die außerdem Teile von Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und einen kleinen Teil der Slowakei umfaßte. Pannonien war vierhundert Jahre lang ein wichtiger Bestandteil des Imperiums Romanum. Es besaß zwar keine so hohe Kultur wie das römische Hispanien, Südfrankreich oder das römische Nordafrika und zahlreiche Regionen des östlichen Mittelmeerraumes. Aber es war ein Bollwerk der römischen Grenzverteidigung an der stets gefährdeten Nordgrenze des Reiches, Jahrhunderte lang mit vier Legionen (von denen zwei im Gebiet des heutigen Ungarns stationiert waren) und mit zahlreichen Hilfstruppen, die seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. größtenteils aus der Bevölkerung dieser Provinz rekrutiert wurden, von der ein spätrömischer Schriftsteller zu recht sagen konnte, daß dort omnis vita militia est, daß dort das ganze Leben ein einziger Militärdienst sei.
 
Doch fehlte es auch in dieser Provinz keineswegs an großartigen zivilisatorischen Leistungen, die die Struktur des Landes, das ursprünglich von illyrischen und keltischen Volksstämmen bewohnt war, aber – nach dem Zuzug von Einwanderern aus Italien und anderswoher – in der Sprache, in der Lebensart, in den Sitten, in der Religion und in den Wertvorstellungen seiner Einwohner voll römisch geworden ist. So gab es hier, in einer lieblichen, zumeist hügeligen Landschaft, die mich immer an den Kraichgau erinnert, nicht nur Militärfestungen, sondern auch bedeutende Städte mit Amtsgebäuden, Tempeln, Bädern, Amphitheatern, Wasserleitungen, Kanalisation wie im heutigen Ungarn vor allem Savaria (Szombathely/ Steinamanger) und Scarbantia (Sopron/Ödenburg) unweit der jetzigen österreichischen Grenze, ferner Aquincum, das heutige Budapest; es gab luxuriös ausgestattete städtische Wohnhäuser und ländliche Villen mit Mosaikböden, Wand- und Deckengemälden; es gab auch qualitätsvolle Skulpturen. Die romanisierte Bevölkerung schmückte ihre Grabdenkmäler häufig mit Szenen aus der griechisch-römischen Mythologie, und vor allem die Soldaten verehrten eifrig nicht nur die großen Staatsgötter Roms, sondern sogar altrömische Gottheiten, deren Kult in Italien schon längst in Vergessenheit geraten war. Und vor allem: Eine ganze Reihe der großen Herrscher der späteren Kaiserzeit, vom Christenverfolger Decius bis zu dem energischen Valentinian I., stieg aus der pannonischen Militärgesellschaft zur höchsten Stellung im Weltreich auf. Um wieder einen spätrömischen Schriftsteller, einen Zeitgenossen der donauländischen Kaiser Diokletian und seiner Mitregenten an der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert, zu zitieren: „Wer zweifelt daran, daß – während dies einst Italia war dank ihrer alten Tradition – heute Pannonia die Herrin der Völker ist dank ihrer Virtus?“
 
Durch die heutige Ausstellung werden wir zu einem archäologischen Fundort der Römerzeit und des ungarischen Frühmittelalters geführt, welches hohe Aufmerksamkeit gerade wegen der nicht nur in Ungarn, sondern auch in den Nachbarländern selten so deutlichen, Jahrhunderte langen Kontinuität römischer Traditionen in jenen späteren Epochen der Geschichte verdient, die in Deutschland mit den Begriffen Merowinger- und Karolingerzeit bezeichnet werden. Wir sind in Keszthely-Fenékpuszta, am südöstlichen Ende des vielen deutschen Urlaubern bestens bekannten Plattensees, unweit der Stadt Keszthely, an einer Stelle, wo zwischen den sumpfigen Gebieten seit uralten Zeiten ein natürlicher Verbindungsweg vom Norden nach dem Süden führt.
 
Seit nicht weniger als 125 Jahren werden in Fenékpuszta, wo es in der späten römischen Kaiserzeit und im Frühmittelalter eine stark befestigte Siedlung mit einer Fläche von 15 Hektar gab, archäologische Ausgrabungen durchgeführt, die unter anderem die Mauern der mit runden Türmen versehenen Befestigungsanlagen, eine frühchristliche Basilika für Bestattungen der Angehörigen der lokalen Eliten, ein großes Horreum, das heißt ein Lebensmittelmagazin, und einschließlich der Fundstellen in der Umgebung viele Tausende spätrömischer und frühmittelalterlicher Gräber zutage gebracht haben. Sie werden zum Teil in dem auch sonst sehr sehenswerten Balaton-Museum von Keszthely aufbewahrt.
 
Trotz des großen wissenschaftlichen Interesses für Fenékpuszta, trotz vieler Publikationen über die Funde und trotz vieler gelehrter Diskussionen über die Funktion der Siedlung sowie über die Zusammensetzung ihrer Bevölkerung während der Jahrhunderte war diese archäologische Fundstelle bis vor kurzem ein eher vernachlässigter, dem breiteren Publikum weitgehend unbekannter Ort, und eine zusammenfassende Darstellung seiner Geschichte und seiner archäologischen Denkmäler fehlte. Ich habe Fenékpuszta in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts während verschiedener Urlaubsaufenthalte am Plattensee nicht selten besucht, aber ich bin dort so gut wie nie Touristen begegnet; eine Beschilderung der Monumente gab es nicht; und ihre Konservierung machte auf mich nicht gerade den besten Eindruck.
 
Das alles hat sich in den letzten Jahren dank den Aktivitäten eines deutsch-ungarischen Forscherteams unter Leitung von Frau Dr. Orsolya Heinrich-Tamáska vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften radikal geändert. Das Team hat vor Ort und in der Umgebung neue Untersuchungen – nicht nur archäologische, sondern in bahnbrechender Weise auch kartographisch-paläoökologische, geographische, makrobotanische und anthropologische Forschungsarbeiten – durchgeführt, viele neue Ideen entwickelt und viele historische Fragen in ein neues Licht gestellt. Weitere Untersuchungen, auch Ausgrabungen auf dem weitgehend unbebauten Gelände, sind vorgesehen. Außerdem wird in Fenékpuszta nach dem Vorbild solcher Anlagen auf der Saalburg, in Xanten und im österreichischen Carnuntum die Einrichtung eines archäologischen Parks geplant, der die beste Voraussetzung dafür bieten kann, daß der Ort die an Archäologie, Geschichte, Denkmalpflege und Umweltgestaltung interessierten Besucher – die in der umliegenden schönen Landschaft auch Erholung finden können – in großer Zahl anlockt.
 
Für die Öffentlichkeitsarbeit wurde mit der hier veranstalteten Ausstellung, die schon in der Stadt Keszthely, in der größten Stadt am Plattensee, gezeigt wurde und auch noch an andere Orte hinkommen wird, bereits ein großer Schritt getan. Der gedruckte Führer zur Ausstellung in Keszthely mit den fundierten, in allgemein verständlicher Form verfaßten Einzelstudien, zu denen es jeweils auch ein ungarisches und ein englisches Resümee gibt, mit dem Katalog der Funde, mit dem reichen Bildmaterial zumeist in Farbe und mit den sorgfältig gezeichneten Plänen vermittelt über die Ergebnisse der Forschungen in Fenékpuszta einen ansprechenden Überblick; denn in dieser Ausstellung kann wegen Platzmangels leider nur eine knappe Auswahl der im Katalog beschriebenen Funde gezeigt werden. Die einführende Studie von Matthias Hard bietet in knapper Form auch eine gute Einführung in die Geschichte der Provinz Pannonien. Für diejenigen, die sich in die Geschichte und in die Archäologie von Fenékpuszta weiter vertiefen möchten, gibt es ein umfangreiches Schriftenverzeichnis.
 
Durch die Ausstellung und den gedruckten Führer kann man über die Geschichte von Fenékpuszta und Pannonien sehr viel lernen. Der Ort gehörte in der späten römischen Kaiserzeit, nachdem Kaiser Diokletian die Provinzen im Interesse einer effizienteren Verwaltung in kleinere Einheiten gegliedert hatte, zu der Provinz Pannonia prima, die den westlichen Teil des ungarischen Transdanuviens, das Burgenland und einen Teil Oberösterreichs umfaßte. Im späten 4. Jahrhundert ließen sich in dieser Provinz auch Goten, Hunnen, Alanen und Sueben als Föderaten der Römer nieder. Mit dem Ende des 4. Jahrhunderts gingen die römische Verwaltung und die römische Militärbesetzung zu Ende. Ab 435/436 gehörte das Gebiet auch offiziell zum Hunnenreich, zwei Jahrzehnte später fiel es an die Ostgoten. Irgendwo in dieser Gegend ist auch der Ostgotenkönig Theoderich der Große, eine imposante Gestalt des Überganges von der Antike zum Mittelalter, geboren. Im 6. Jahrhundert wurde das Land zunächst von den Langobarden, bald danach von den avarischen Reiternomaden erobert. Die Macht der Letztgenannten im Gebiet des ehemaligen Pannoniens hat erst Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts gebrochen. Seitdem gehörte das Gebiet zum bajuvarischen Regnum, in dem sich auch Slawen niederließen und wo unweit von Fenékpuszta in Mosburg-Zalavár, in der civitas Pribinae, der Sitz eines mährischen Fürsten eingerichtet wurde, bis am Ende des 9. Jahrhunderts schließlich die Ungarn in Erscheinung traten.
 
In Fenékpuszta und Umgebung gab es schon seit der Jungsteinzeit, seit dem 4. Jahrtausend v. Chr., eine Besiedlung. Bedeutend wurde der Ort jedoch erst im 4. Jahrhundert n. Chr., als – offenbar unter Kaiser Konstantin dem Großen – die befestigte römische Siedlung entstand. Sie gehörte zu der Reihe der sogenannten inneren Festungen Pannoniens, deren Einrichtung eine Verbesserung des römischen Reichsverteidigungssystems mit ihrem bisherigen rein linearen Konzept, das heißt der Aufreihung aller Truppen und Militäranlagen entlang der Donaugrenze, bedeutete (es sei hier angemerkt, daß wohl gleichzeitig damit auch östlich von der pannonischen Donaugrenze in der von Sarmaten bewohnten Ungarischen Tiefebene – ungefähr nach dem Modell des obergermanischen Limes in Südwestdeutschland – unter Leitung römischer Ingenieure ein Schutzwall errichtet wurde, der als vorderstes Annäherungshindernis die von Barbarenstämmen vorgetragenen Attacken bereits im Vorfeld der römischen Militärgrenze auffangen sollte).
 
Zu den pannonischen Binnenfestungen, die an wichtigen Verbindungsstraßen weitgehend nach einem einheitlichen Plan mit einem quadratischen Grundriß, mit vielen Seitentürmen, im inneren unter anderem mit einem Repräsentationsbau und einem Lebensmitteldepot erbaut wurden, gehören im östlichen Teil des ungarischen Transdanuvien auch Környe westlich von Budapest, Tác bei Székesfehérvár/Stuhlweißenburg, Ságvár bei Siófok unweit vom nordöstlichen Ende des Plattensees und im Süden Alsóheténypuszta nördlich von Pécs. Über die Funktion dieser Siedlungen wurde lange diskutiert; so glaubte man unter anderem, daß sie befestigte Villen oder Zufluchtorte der umwohnenden Zivilbevölkerung in Kriegsfällen gewesen seien. Heute besteht weitgehender Konsens, daß sie Nachschubzentren für die Grenztruppen waren, sie aber auch eine eigene Garnison beherbergten, und zwar entweder Abteilungen der an der Donaugrenze stationierten Legionen oder Einheiten der sogenannten Comitatenses, der von Kaiser Konstantin geschaffenen mobilen Feldtruppen des römischen Heeres.
 
Das Horreum von Fenékpuszta war ein Bestandteil der spätrömischen Festungsanlage. Die ebenfalls bereits erwähnte dreiapsidale Basilika, wie das Lebensmitteldepot innerhalb der Festungsmauern ( intra muros) erbaut, gehört aber bereits in die nachrömische Zeit. Das Leben hörte nämlich in Fenékpuszta und Umgebung mit dem Ende der römischen Herrschaft, anders als in vielen Siedlungen Pannoniens, keineswegs auf. Die römische Bevölkerung lebte bis in die Karolingerzeit fort und mischte sich mit germanischen Ankömmlingen. Die Kleinfunde, so vor allem die Trachtgegenstände, Schmucksachen und vieles mehr aus den Gräberfeldern von Fenékpuszta und Umgebung, zeugen vom Fortbestand römischer Traditionen, aber auch von der Anwesenheit germanischer Zuwanderer. Durch ihre Mischung mit den Nachkommen der römerzeitlichen Bevölkerung entstand eine eigenständige, die römischen Traditionen bewahrende materielle Kultur. Sie wird in der Forschung "Keszthely-Kultur" genannt, deren Bedeutung und Eigenart als erster mein großer Namensvetter Andreas Alföldi, einer der größten Althistoriker des 20. Jahrhunderts, bereits in seinen jungen Jahren erkannt hat. Sie erlebte im 6. und 7. Jahrhundert ihre Blütezeit. Die Gräberfelder von Fenékpuszta reichen jedoch bis in das 9. Jahrhundert. Erst das Erscheinen der Ungarn, das mit dem Ende des von den Römern geerbten mediterran-submediterranen Wirtschaftssystems mit dem Ackerbau im Mittelpunkt und dem Übergang zur Weidewirtschaft einherging, brachte das Ende für die Siedlung.
 
Fenékpuszta ist reich an interessanten Einzelfunden, die dieser Ausstellung auch durch ihre knappe Auswahl einen besonderen Reiz verleihen. Man findet hier – oder zumindest im Ausstellungsführer mit seinem Katalog – prähistorische und spätrömische Keramik, ein römisches Glas, das für die Bestattung der Asche eines Jünglings diente, spätrömische und germanische Fibeln, wundervolle Schmucksachen, frühmittelalterliche Gürtelbeschläge und etliches mehr. Wer sich für antike Münzen interessiert, kann unter anderem die Münzen der Söhne des Kaisers Konstantin mit aufgedrücktem Goldfolienüberzug bewundern, die zu einem Halsschmuck gehörten. Sogar epigraphisch Interessierte kommen auf ihre Kosten. Aus dem Grab eines Mädchens, das intra muros neben dem Horreum gefunden wurde, stammt die silberne Gewandnadel mit aufgestecktem kastenförmigen Zierteil aus Goldblech, auf dem Bonosa, der Name des Mädchens, zu lesen ist. Das ist die Femininform des Namens Bonosus, der vor allem in den afrikanischen Provinzen Roms heimisch war, sich jedoch in der späteren Kaiserzeit auch anderswo, vor allem bei Christen, ausbreitete. Offenbar auf byzantinische Einflüsse weist die griechische Inschrift auf einer Schilddornschnalle aus dem 6. oder aus dem frühen 7. Jahrhundert hin: Sie enthält – im Genitiv – den Namen ATTIKOV und will sagen, daß das Stück einem Attikos gehörte.
 
Alles in allem ist festzuhalten: Hier werden besonders wichtige Ergebnisse der Ausgrabungen in einer in historischer Hinsicht einzigartigen Siedlung der Römerzeit und des ungarischen Frühmittelalters gezeigt, die internationale Beachtung verdienen. Ihre sachkundige Präsentation im Museum unserer Ruprecht-Karls-Universität stellt eine Bereicherung des kulturellen Lebens in Heidelberg dar. All denen, die die Ausstellung organisierten, den Führer mit dem Katalog verfaßten, aber auch den Institutionen, die die Ausstellung und den Katalog finanziell möglich machten, gebührt unser herzlichster Dank.
 
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Prof. Dr.Géza ALFÖLDY, 1935 in Budapest geboren, wurde nach Abschluß seines Studiums 1959 an der Universität Budapest promoviert. Ab 1957 arbeitete er am Stadtmuseum Budapest, sodann von 1960 bis 1965 als Assistent am Institut für Alte Geschichte an der Universität Budapest. Er emigrierte 1965 nach Deutschland, wo er sich ein Jahr später an der Universität Bonn habilitierte. Nach seiner Tätigkeit am Rheinischen Landesmuseum Bonn (1965-1968) und als Dozent an der Universität Bonn (1968 bis 1970) erhielt er 1970 eine Anstellung als apl. Professor in Bonn und noch im selben Jahr bis 1975 als ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Bochum. Von 1975 bis zu seiner offiziellen Emeritierung 2002 mit anschließender dreijähriger fortgesetzter Lehrtätigkeit war er Inhaber des zweiten Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg und stand dort von 1981 bis 1983 und noch einmal 1985 der Fakultät für Orientalistik und Altertumswissenschaft als Dekan vor.
 
Die seiner Universität zugutekommende Internationalisierung der wissenschaftlichen Tätigkeit wäre nicht so erfolgreich, wäre Alföldy nicht auch ein hervorragender Lehrer, dessen vielfältiges Engagement für seine Studenten einen großen Kreis dauerhaft dankbarer Alumni geschaffen hat – in besonderer Weise unter den Studenten aus den Ländern hinter dem früheren Eisernen Vorhang angesichts der damaligen Reise- und Studienbeschränkungen sowie unter den Studenten der iberischen und lateinamerikanischen Staaten, für die mangels privater Ressourcen oder wegen fehlender Stipendien ein Studium in Heidelberg eigentlich unmöglich war.
 
In seinen Forschungsschwerpunkten der Geschichte und Epigraphik des Imperiums Romanum, der römischen Sozial-, Heeres- und Verwaltungsgeschichte, der Historiographie der römischen Kaiserzeit und der Spätantike sowie – für seinen vorstehenden Vortrag im Universitätsmuseum besonders einschlägig – der Geschichte der römischen Provinzen zählt Alföldy zu den – auch international herausragenden und anerkannten – Kapazitäten der Geschichtsforschung. Acht Ehrendoktorwürden, darunter die der ungarischen Universitäten in Pécs/Fünfkirchen, Debrecen sowie der ELTE in Budapest, die ihm 1992 auch die Auszeichnung eines Professors ehrenhalber verliehen hat, und derzeit 15 weitere Auszeichnungen zeigen die hohe Reputation, die er in Europa genießt - beispielsweise zum Ausdruck gebracht durch die Verleihung der Imre-Nagy-Gedenkplakette des Präsidenten der Republik Ungarn, des Verdienstkreuzes I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2002), des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Max-Planck-Preises der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft sowie von Medaillen sieben spanischer Universitäten und Forschungseinrichtungen, wobei Letztgenannte einen bedeutenden geographischen Schwerpunkt seiner Forschungsarbeiten widerspiegeln.
 
Unmittelbar vor Alföldys 75. Geburtstag verlieh ihm Segovia die Goldmedaille unter anderem für die Entzifferung der 17,5 Meter langen Bauinschrift auf ihrem berühmten Aquädukt – eine Entzifferung, die mangels auch nur eines erhalten gebliebenen Buchstabens allein anhand der für jeden römischen Buchstaben typischen Dübellöcher in den Steinquadern gelang. Es war für Alföldy, an einem Kran in luftiger Höhe hängend, ein ebenso spektakuläres wie typisches Meisterwerk detektivischer Puzzlearbeit, wie er sie schon zuvor bei ähnlichen Inschriftenrekonstruktionen am Obelisken auf dem vatikanischen Petersplatz, am Collosseum in Rom und am Bogen von Medinaceli im nördlichen Hispanien erfolgreich unter Beweis gestellt hatte, neben all den Inschriften, die auf Standbildern oder auf deren Bruchstücken dem Erdboden meist erheblich näher waren.
 
Der neue Wege – auch unter Einbeziehung modernster Techniken – gehende Forscher und Wissenschaftler Alföldy findet seine Anerkennung in der Aufnahme in acht Akademien der Wissenschaften (darunter 1995 in der Ungarischen Akademie) sowie sieben Wissenschaftlichen Gesellschaften, von denen ihm vier die Ehrenmitgliedschaft verliehen haben. Daneben hat er eine Vielzahl von akademischen Funktionen wahrgenommen und ebenso viele wissenschaftliche Projekte geleitet, unter anderem während 13 Jahren das Langzeitprojekt für eine umfassende Sammlung lateinischer Inschriften an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der er ebenso durch Mitgliedschaft verbunden ist wie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (in der er unter anderem als Kommissions- und Unterkommissionsleiter wirkte). Seine (Mit-)Herausgeberschaft von internationalen Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Reihen erreicht mittlerweile zwanzig, darin eingeschlossen mehrere Publikationsreihen in Spanien, ferner in Israel, Italien, den Niederlanden und den USA. Seit 1986 verantwortet er als Alleinherausgeber die renommierten 'Heidelberger Althistorischen Beiträge und Epigraphischen Studien' (HABES). Die Zahl seiner Beiträge für wissenschaftliche Publikationen in aller Welt erreichte zum Zeitpunkt seines 75. Geburtstages fast 550.
 
Legendär ist die Anzahl seiner Gastprofessuren, Mitgliedschaften in Forschungsinstituten und Vortragsreihen, die ihn mit besonderem Schwerpunkt der ungarischen Universitäten darüber hinaus vor allem nach Spanien und neben weiteren europäischen Ländern bis nach Argentinien und in die USA geführt haben. Seit 1955 hat er über 420 öffentliche wissenschaftliche Vorträge gehalten; besondere Schwerpunkte bildeten naturgemäß deutsche Adressen, daneben wieder 25 spanische Städte (darunter alle namhaften Universitäten), elf Städte in Italien sowie die sechs berühmten US-amerikanischen Universitätsstädte. Fast alle europäischen Nationen hat er mindestens einmal für einen Vortrag besucht, ferner außerhalb Europas noch Argentinien, Israel, Kanada und Tunesien. Längere und systematische Forschungsreisen führten ihn zu Aufenthalten in Ägypten, Albanien, Algerien, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien (seit 1977 regelmäßig), Jordanien, Jugoslawien (bzw. dessen Nachfolgestaaten), Libyen, Österreich, Portugal, Spanien (seit 1968 regelmäßig), Syrien, Türkei, Tunesien, Ungarn (seit 1980 regelmäßig) und Zypern – was einem geographischen Raum entspricht, der fast alle Provinzen des ehemaligen Römischen Reiches umfaßt.
 
Will man die vorstehende geraffte Zusammenfassung von Alföldys Lebensleistung, wie sie ausführlicher in einer acht Seiten entsprechenden Textlänge auf der Internetseite der Heidelberger Universität enthalten ist, resümieren, so stellt das Ausmaß der Präsenz seiner Forscherpersönlichkeit in den europäischen und außereuropäischen Ländern ein Spiegelbild seines Forschungsgegenstands, des Römischen Reiches in dessen Hochzeit, dar. Ein wenig von dessen prägender Kraft und Allgegenwart in der damaligen Zeit strahlt auf den heutigen Forscher und Wissenschaftler Alföldy aus. Mit ihm macht Ungarn der internationalen Gelehrtenwelt einen weiteren seiner Söhne zum Geschenk und beruft ihn, den Staffelstab seines Namensvetters und großen Vorbildes András Alföldi (1895-1981) weiterzutragen. Alföldy reiht sich so in die ungebrochene Kette ungarischer "Geschichtsforscher" ein, seien es Archäologen, seien es Althistoriker – eine Kette, die ihren Anfang im 19. Jahrhundert mit Floris Rómer, dem Kustos der Archäologischen Abteilung des Nationalmuseums in Budapest, genommen hat.
 
K. R.

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NACHRUF:

Mit großer Bestürzung haben wir vom plötzlichen Tod von Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. Géza ALFÖLDY (07.06.1935-06.11.2011) erfahren. Angesichts der Pläne für eine größere gemeinsame Veranstaltung in Berlin und seine Absicht, der DUG als Mitglied beizutreten und damit die von ihm als bemerkenswert breit gefächert empfundene Arbeit der DUG im Bereich der deutsch-ungarischen Beziehungen zu fördern, können wir nur mit Bedauern feststellen, daß der Tod manchen Plan unvollendet läßt, daß sich aber ein großes Forscherleben vollendet hat. Es ist dem letzten Absatz im vorstehenden Beitrag nichts hinzuzufügen, außer der Frage, wer nun aus der ungarischen Altertumswissenschaft den Staffelstab weitertragen und das neue Glied in der langen Kette der das europäische Geistesleben bereichernden Forscher sein wird. Wir sind sicher, daß uns Ungarn im Geiste Alföldys wieder einen bedeutenden Wissenschaftler schenken wird.

Die Universität Heidelberg hat einen umfangreichen Nachruf ins Internet gestellt, aus dem hier nur der Anfang zitiert wird:

Am 6. November 2011 ist Géza Alföldy, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg, im Alter von 76 Jahren unerwartet in Athen verstorben, als er einen seiner Lieblingsorte, die Akropolis, besuchte. Mit ihm verliert die deutsche Altertumswissenschaft einen ihrer profiliertesten Vertreter, der sein Fach mit zahlreichen markanten Studien geprägt und sich dadurch höchste internationale Anerkennung erworben hat. Das Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik der Universität Heidelberg, das Géza Alföldy während seines 30jährigen Wirkens maßgeblich geprägt hat, trauert um einen hoch verehrten Kollegen und um einen großen Wissenschaftler.

Géza Alföldy wurde am 7. Juni 1935 in Budapest geboren. Seiner ungarischen Heimat ist er immer zutiefst verbunden geblieben; und so hatte er (...) nach dem Fall des Eisernen Vorhanges einen wichtigen Anteil am Wiederaufbau des ungarischen Universitätswesens.

Nach dem Studium an der Universität Budapest wurde Géza Alföldy ebenda 1959 promoviert. 1965 erfolgte die Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland, wo er eine neue Heimat am Rheinischen Landesmuseum und an der Universität Bonn fand, an der er sich bereits 1966 habilitierte. 1970 ging Géza Alföldy als ordentlicher Professor für Alte Geschichte an die Universität Bochum, bevor er 1975 einem Ruf an die Universität Heidelberg folgte. Der Ruperto Carola hat er in mannigfachen Funktionen, u.a. als Dekan der Fakultät für Altertumswissenschaften und Orientalistik, gedient. Seit Oktober 2002 offiziell emeritiert, hat er sich danach noch bis 2005 selbst vertreten, um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten. Géza Alföldy war Zeit seines universitären Wirkens ein mitreißender akademischer Lehrer (...).

Für seine überragenden wissenschaftlichen Leistungen und seinen nimmermüden Einsatz für die Förderung der Wissenschaft im In- und Ausland erhielt Géza Alföldy zahlreiche Auszeichnungen. So haben nicht weniger als zehn Universitäten ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. 1986 sprach ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis zu, die höchsten Ehrung, welche ein deutscher Wissenschaftler erhalten kann. 1992 bekam er gemeinsam mit Silvio Panciera den Max-Planck-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft. Und schließlich wurden seine gesellschaftlichen Verdienste im Jahre 2002 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.

Géza Alföldy zeichnete eine stupende Arbeitskraft aus, die ihn zu einem ungemein produktiven Forscher werden ließ – das Verzeichnis seiner wissenschaftlichen Schriften weist die schier unfaßbare Zahl von 582 Titeln aus. Géza Alföldy war dabei immer ein dezidiert römischer Historiker, dessen Hauptaugenmerk der Erforschung der römischen Kaiserzeit und der Spätantike galt. Diese Bereiche hat er in vollster Breite bearbeitet, so daß es unmöglich ist, alle Aspekte seines wissenschaftlichen Wirkens gleichermaßen darzustellen.

 

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VORTRÄGE am 15.11. (Berlin) und am 16.11.2010 (Leipzig)

a) Die ungarische 'Judenfrage' in der Horthy-Zeit

Referent: Dr. Krisztián UNGVÁRY (Historiker; Wissenschaftlicher Mitarbeiter im 1956er Institut, Budapest)
Ort: Raum 125, Neues Stadthaus, Parochialstr. 3, 10178 BERLIN-MITTE
Datum/Uhrzeit: 15.11.2010, 18.00 Uhr

b) Der Antisemitismus im Ungarn der Horthy-Zeit (1919-1945)

Referent: Dr. Krisztián UNGVÁRY (Historiker; Wissenschaftlicher Mitarbeiter im 1956er Institut, Budapest)
Ort: Raum H3 2.15 im Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ), Beethovenstr. 15, 04107 LEIPZIG
Datum/Uhrzeit:
16.11.1010, 17.15 bis 18.45 Uhr


Geschichtliche Hintergründe für beide Vorträge: Der ungarische Historiker Dr. Krisztián Ungváry vom 1956er Institut in Budapest stellt unter diesen Überschriften die Haltung von Politik, Verwaltung und Bevölkerung gegenüber der jüdischen Minderheit in der Horthy-Zeit dar. Mit dieser Einführung sollen einige Eckdaten festgehalten werden, innerhalb deren sich Ungarn von 1919 bis 1945 entwickelte, und mancher der im folgenden genannten Aspekte scheint, ohne den Ausführungen Dr. Ungvárys vorgreifen zu wollen, nur vordergründig nichts mit dem Thema zu tun zu haben.

Vor dem Hintergrund, daß Ungarn im 20. Jahrhundert das erste Land war, welches antijüdische Gesetze (z. B. bereits in den frühen 20er Jahren Beschränkungen im Hochschulzugang und im Studium) erließ, deutet dies auf das Vorhandensein früher faschistischer Tendenzen in Staat und Gesellschaft des Ungarns der damaligen Zeit, ohne daß diese Entwicklung in eine breite Massenbewegung mündete (die Numerus-clausus-Gesetze werden von den Wohlmeinenden damit verteidigt, daß sie nur auf dem Papier gestanden und keine realen Auswirkungen gehabt hätten, andererseits Ungarn durch die Flucht vieler Bewohner aus den durch den Trianon-Vertrag vom 4. Juni 1920 verloren gegangenen Gebieten vor großen Problemen gestanden hätte, weil die Berufe und die Ausbildungsmöglichkeiten im ungarischen Kernland total überlaufen worden wären. Das Argument, die ab 1. September 1920 für den Hochschulzugang verfügten Beschränkungen hätten nur auf dem Papier gestanden, erscheint in anderem Licht, wenn – bei allen bereits deutlich werdenden antisemitischen Tendenzen in der rumänischen Studentenschaft, verschärft durch die Probleme, die Flüchtlinge aus den im Ersten Weltkrieg umkämpften Gebieten der Moldau und der Krim sowie aus dem russisch-ukrainischen Kampfgebiet hervorriefen – kaum zwei Monate später bereits der Senat der Medizinischen Fakultät der Universität Kolozsvár/Cluj/Klausenburg zum Schutze der rumänischen Studienplatzbewerber eine Zugangsbeschränkung für "Juden aus Ungarn" diskutierte, sich aber wegen der Pariser Vorortverträge und dem darin verlangten Schutz ethnischer Minderheiten an einer Weiterverfolgung dieser Absicht gehindert sah. Ebenso wie jüdische Studenten aus Ungarn in das nun rumänisch gewordene Siebenbürgen auswichen – wo sie alsbald vom Regen in die Traufe kamen, da sich dort die rumänischen Studenten sowohl im Kampf um Studienplätze als auch nach ihren Examina im Kampf um berufliche Chancen herausgefordert fühlten und den virulenten antisemitischen Studentenbewegungen Zulauf bescherten –, so vermerkten selbst die dortigen Oberschulen einen Zuwachs an jüdischen Schülern aus Ungarn).

Die von 1921 bis 1931 seitens der ungarischen Regierung unter Ministerpräsident István Bethlen geschaffenen staatlichen Rahmenbedingungen unterstützten ein autoritäres System einerseits mit einer Mischung aus konservativ-reaktionären bürgerlichen Einstellungen und anfänglich königstreu-restaurativen Elementen und andererseits mit diktatorischen, teilweise faschistisch konnotierten Anwandlungen.

Holger Fischer beschreibt das damalige ungarische Staatswesen in seiner "Kleinen Geschichte Ungarns" (1. Aufl. 1999) auf Seite 180 als ein System mit der von konservativer Gesetzlichkeit verliehenen "Färbung eines Rechtsstaates" in einem formalen und äußerlichen Sinne, "in dem das Parlament faktisch machtlos war". "Agressive revisionistische und irridentistische Parolen, vermischt mit chauvinistischen Überzeugungen, führten zu einer eklatanten Überhöhung alles Ungarischen und einem Kulturdünkel. Liberalismus, Demokratie und natürlich der Sozialismus galten als dem ungarischen Wesen fremd und wurden heftig abgelehnt."

Der Antisemitismus speiste sich in der Bevölkerung aus einer Reaktion auf den Trianon-Vertrag und ihrer weiten Verarmung als Folgen der Niederlage im Ersten Weltkrieg und des Rückstroms der ungarischen Bevölkerung aus den verlorenen zwei Dritteln des vormals ungarischen Territoriums, mehr noch aber aus der Tatsache, daß zahlreiche jüdische Politiker das kurzzeitige Intermezzo einer Räterepublik unter Béla Kun (21.03. bis 01.08.1919, unter der Besetzung Ungarns durch rumänische Truppen zusammengebrochen) in führenden Positionen unterstützten und damit sich in der Bevölkerung die stereotype Gleichsetzung von Bolschewiken und Juden verankert hatte. Träger dieses Antisemitismus und empfänglich für faschistische Bestrebungen war vor allem das durch diese Ereignisse verarmte oder sich seiner Vorrechte beraubt sehende Bürgertum, die von ihm gestellte Beamtenschaft und die militärische Elite (soweit nicht zum Teil Bürgertum und Offizierskaste sowieso gleichzusetzen war bzw. die führenden Positionen im Militär vom Adel und Kleinadel besetzt wurden).

Diese Einstellung wurde durch die offizielle Propaganda verstärkt, die die unteren Bevölkerungsschichten von der staatlichen Unfähigkeit, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme lösen zu können, mit dem Hinweis auf die alleinige Verursachung allen Übels durch die Räterepublik und den Trianon-Vertrag ablenkte. Die Gegenrevolution im Herbst 1919 durch zwei jeweils nur wenige Tage überlebende gewerkschaftlich bzw. bürgerlich orientierte Regierungen (Gyula Peidl und István Friedrich) hatte sich selbst diskreditiert und fiel als Hoffnungsträger aus.

Als dieser erschien Admiral Miklós von Horthy. Der Einzug der Nationalen Armee unter seinem Kommando in Budapest (16.11.1919) machte der Beseitigung der (schon Monate zuvor zusammengebrochenen) Räterepublik augenfällig und wurde nur noch übertroffen vom Ende der schmachvollen rumänischen Besetzung Budapests: Beides zusammen wurde dann geschickt in der Person Horthys und seiner – mit Gewaltandrohungen erzwungenen – Wahl zum Reichsverweser (1. März 1920) überhöht; das Amt des Reichsverwesers institutionalisierte wieder das alte – vorübergehend durch die Räterepublik abgeschaffte – und nur noch des Königs ermangelnde ungarische Königtum, welches Horthy die – wenn auch nur abgeleitete – höchste, fast sakrale (königliche All-)Macht verlieh, zu deren Absicherung er sich zum Sammelpunkt aller nicht an der Revolutionsregierung beteiligten militärischen Kräfte aufgebaut hatte. Seine ihn stützenden Kräfte waren der verarmte mittlere Adel, die Offiziere unter Führung des späteren Ministerpräsidenten Gyula Gömbös (1932-1936), Teile des Bürgertums sowie die Großgrundbesitzer und die Großindustrie.

Horthy verstand es in der Folgezeit, das Land durch die Fährnisse der Zwischenkriegszeit bis zu seinem einseitig am 15. Oktober 1944 verkündeten Waffenstillstand zu lavieren. So konnte Ungarn sogar vorübergehend Zuflucht für die von den Eisernen Garden in Rumänien verfolgten Juden sein (zum Teil derjenigen Juden, die zuvor 1920/21 begonnen hatten, als Oberschüler und Studenten in die von Ungarn an Rumänien abgetretenen Gebiete zu ziehen). Doch was eine gewisse politische Unabhängigkeit suggeriert, wird überdeckt von einer Entwicklung, in der Horthy sein Land immer enger an das Dritte Reich binden mußte. Seine Konzessionen an die verschiedenen politischen Kräfte im Inland und die ihn bedrängende deutsche Reichsregierung, seine mit dem Kriegseintritt teuer erkauften Erfolge der beiden von Hitler gelenkten Wiener Schiedssprüche (02.11.1938 und 30.08.1940), mit denen Teile des im Trianon-Vertrag verlorenen ungarischen Königreiches wieder Ungarn zugeschlagen wurden, seine Pyrrhus-Siege in dem von Hitler meisterhaft beherrschten gegenseitigen Ausspielen Ungarns und Rumäniens zeigten schon früh die Grenzen der von Horthy betriebenen Politik und offenbarten letztendlich seine Ohnmacht bei der am 19. März 1944 begonnen Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen (wobei er die Besetzung durch seine nicht verborgen gebliebenen Geheimverhandlungen mit den Westmächten über einen Separatfriedensvertrag ausgelöst, zumindest beschleunigt hatte, da diese Hitlers Argwohn bestätigten, Horthy sei ein "wackliger" Verbündeter und zudem weder kräftemäßig fähig noch willens, den von Osten vorrückenden Truppen der Roten Armee Widerstand zu leisten).

Die folgenden sieben Monate war die Zeit des ungarischen Holocausts, die Zeit des Pfeilkreuzler-Terrors und der reichsdeutschen Besatzungstruppen, die Zeit, in der das Land in seinen bereits durch die Vorkriegsentwicklung vorgezeichneten Untergang schlitterte. Ihn konnte auch Horthys vorerwähnte Waffenstillstandsproklamation vom 15. Oktober 1944 (nach Geheimabkommen mit der Sowjetunion) nicht abwenden, weil er sie sofort auf Zwang der deutschen Besatzungstruppen und der Pfeilkreuzler widerrufen mußte. Horthys anschließende Internierung in Reichsdeutschland beendete die ungarische Zwischenkriegs- und Weltkriegsära, die allgemein mit seinem Namen assoziiert wird. Danach kam die Niederlage und am 20. Januar 1945 das Waffenstillstandsabkommen, das die in den befreiten Gebieten gebildete Provisorische Regierung Ungarns mit den Alliierten abschloß. Der letzte deutsche Soldat verließ Ungarn am 04. April 1945.

Horthys Rolle in den verschiedenen Stadien der Entwicklung ist oftmals untersucht worden. Dabei oszilliert sein Bild vor allem bei der Betrachtung seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Einstellung zur 'Judenfrage', einer Einstellung, die verdunkelt ist durch den mit der Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen am 15. März 1944 erst möglich gewordenen und ab 15. Mai 1944 begonnenen massenhaften Abtransport der ungarischen Juden in die reichsdeutschen Vernichtungslager – organisiert unter deutscher Besatzung nach nur kurzer, aber intensiver Vorarbeit Eichmanns und durchgeführt mit tatkräftiger Unterstützung der ungarischen Gendarmerie und Verwaltung, also nicht nur der Pfeilkreuzler. Nach überwiegender Meinung wurden mehr als 440.000 ungarische Juden deportiert (übrigens mit ihnen auch 50.000 Zigeuner), vor allem aus den ländlichen Gebieten und Kleinstädten und auch nicht ohne stillschweigendes Einverständnis von dort lebenden ungarischen Bevölkerungsgruppen, zum Teil auch durch Mithilfe aus der Mitte der Bevölkerung. Die 200.000 Budapester Juden im Ghetto und in den von Mitarbeitern ausländischer Botschaften eingerichteten und als exterritorial deklarierten Schutzräumen konnten dagegen zum größten Teil und auch mit Unterstützung von Gruppen der Budapester Bevölkerung überleben. 

K.R.

 

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VORTRAG am 06.12.2010 (Berlin)

Die Zips und Siebenbürgen unter den ungarischen Königen des Mittelalters – ein Vergleich

Referent: Prof. Dr. Konrad GÜNDISCH (Leiter des Wissenschaftsbereichs Geschichte im Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa; Honorarprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
Ort: Raum 125, Neues Stadthaus, Parochialstr. 3, 10117 BERLIN-MITTE
Datum/Uhrzeit: Montag, 06.12.2010, 18.00 Uhr


Historischer Überblick zum Vortrag: Wenn auch durch die bewußte Ansiedlung deutscher Auswanderer – vor allem durch die ungarische Krone, aber auch durch die Magnaten – und die Anwerbung bestimmter Berufsgruppen viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Regionen Zips und Siebenbürgen in Bezug auf den bestimmenden Einfluß der dort siedelnden Deutschen bestanden, so waren beide – durch die Karpaten als ihre natürlichen Grenzen bestimmt – dennoch nicht rein deutsch, sondern auch deutsch besiedelt; das jeweilige deutsche Ethnikum kam aus dem ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit dem Ziel der (landwirtschaftlichen) Bodennutzung und der Ausbeutung der Bergschätze. Dennoch zeigten und erhielten sich bei den Siedlern Unterschiede in ihrer geographischen Herkunft, demzufolge auch Unterschiede in ihrer hortikulturellen Betätigung, in ihrem Recht (Sachsenspiegel; Schwabenspiegel), in ihren Sitten und (nicht nur kirchlichen Festtags-)Gebräuchen sowie in ihren sprachlichen Ursprüngen (Bewahrung von Dialektbegriffen; Weitergabe von regionalen Erzählungen und Märchenmotiven), teilweise in der Religionszugehörigkeit und nicht zuletzt in einer beruflich bedingten Binnenorganisation. Nicht allein deshalb, aber auch durch die geographische Lage der Zips einerseits und Siebenbürgens andererseits ergaben sich unterschiedliche Einflüsse, was sich geschichtlich darin zeigt, daß die Überlebensfähigkeit der deutschen Minderheit in ihrer ursprünglichen Ausdehnung in der Zips über die Jahrhunderte gefährdeter als in Siebenbürgen erschien – eine Schlußfolgerung, die sich der Referent so allerdings nicht zu eigen machen will.

Die genannten Unterschiede sind nach Auffassung des Referenten allerdings als eher geringfügig zu erachten, zumal sie durch das wirkmächtigere Ziel der ungarischen Krone überdeckt oder nivelliert wurden, nämlich das Königreich durch die Besiedlung mit Ausländern zu stärken und wirtschaftlich aufblühen zu lassen – und diesem Ziel entsprach auf Seiten der Siedler ihr Wunsch nach einem starken, ihre (Sonder-)Rechte schützenden König, der ihre Loyalität dadurch förderte, daß er zum Beispiel in der Zips von Anfang "deutsche" Verwaltungszentren mit dem Recht der Selbstverwaltung, einer eigenen Rechtsprechung und einer eigenen Kirchenverwaltung gründete, ebenso wie er Siedlungszentren zur militärischen Verteidigung ausbauen ließ.

Diesen drei Säulen – eigenes Zentrum für Verwaltung und Rechtsprechung (Sitz in Leutschau, ungar. Locse, slowak. Levoca, erstmals 1249 als Leucha erwähnt und einst die drittgrößte Stadt im Königreich Ungarn); eigene Kirchenverwaltung (Sitz in Kirchdrauf [erstmals urkundlich ebenfalls 1249 als 'Kirchdorf' erwähnt] in der nördlichen Zips – ungar. Szepesváralja, slowak. Spišské Podhradie, poln. Podgrozdie) und Kirchdrauf gegenüber das militärische Zentrum der Zipser Burg (ungar. Szepesi vár oder Szepesvár, slowak. Spišský hrad) unter einem eigenen Burggrafen – stand in Siebenbürgen eine Machtkonzentration in einem einzigen Zentrum gegenüber, nämlich in Hermannstadt (ungar. [Nagy]Szeben, rumän. Sibiu). Wahrscheinlich als Neugründung ab 1147 mit deutschen Auswanderern neben einer fortbestehenden älteren Siedlung bevölkert, findet der Ort erstmals 1191 urkundliche Erwähnung als Sitz einer Propstei 'praepositum Cibiniensem', 1223 auch als Ortschaft 'villa Hermanni'.

Hermannstadt war Sitz der bis 1878 bestehenden Selbstverwaltung der Universitas Saxonum [ungar. szász közösség], das heißt der Gemeinschaft oder Gesamtheit [lat. Universitas] des deutschen [unter dem Pars-pro-toto-Namen "sächsisch" geführten] Ethnikums (vgl. dazu ähnlich im ungarischen Kernland, wo mit dem Name der "Schwaben" [ungar. svábok] alle Siedler aus deutschen Landen bezeichnet werden]. Diese siebenbürgisch-"sächsische" "Nationenuniversität" entsprach der politischen Einheit und Unabhängigkeit der Gesamtheit der deutschsprachigen Siedler, wie es diese zugleich umschrieb, und grenzte sie gleichzeitig gegenüber den beiden übrigen, ebenfalls ständisch-politisch organisierten Machtfaktoren in Siebenbürgen, dem ungarischen Adel und den Szeklern, ab. Bezeichnenderweise und ihre Unabhängigkeit betonend, weil die einstige Ansiedlung des "sächsischen" Ethnikums vom ungarischen König veranlaßt und im Fortbestand rechtlich abgesichert worden war, unterstand deshalb die siebenbürgische römisch-katholische Kirche dem Erzbischof in Gran/Esztergom, nicht dem Bischof von Siebenbürgen, der in Weißenburg (entsprechend der slawischen Bezeichnung 'Balgrad', später 'Karlsburg' genannt – ungar. Gyulafehérvár, rumän. Alba Iulia) residierte (gegen dessen Versuch, selbst den Abgabe-Zehnten zu beanspruchen, kam es 1277 zum Aufstand der sächsischen Nationenuniversität).

Dem Referenten soll die Darstellung der Besonderheiten der weiteren Entwicklung deutschen Siedlertums in Siebenbürgen vorbehalten bleiben, die mit der Ansiedlung von hospetes (damals noch unter König Géza [1141-1162] als Flandrenses oder Theutonici heimisch gemacht) begann, sich im Nebeneinander mit den Herrschafts- und Organisationsstrukturen der Szekler entwickelte und wie diese der auch wehrhaften Besiedlung Siebenbürgens diente (als Beispiel einerseits der Feldzug des Gespans von Hermannstadt gegen das nordbulgarische Vidin [ungar. Budyn/Budin; bulgar. B(a)din; byzantin. Widini; rumän. Diiu]) zur Abwehr des Ausgreifens der byzantinisch-orthodoxen Herrschaft Konstantinopels nach Norden, als weiteres Beispiel die Entwicklung des Topos eines militärischen Bollwerks der Christenheit, bei dem Siebenbürgen das Glacis war, auf dem die Reiterhorden der Ungläubigen aus dem Osten – wie Petschenegen, Mongolen, Kumanen, Jazygen, Tataren und später auch die Osmanen – aufgehalten und bekämpft wurden: Als östlichste Vorhut der zur Verteidigung bereiten westlich-christlichen Kultur gilt der Pfingstwallfahrtsort Schomlenberg (ungar. Csíksomlyó, rumän. Sumuleu) mit ihrer der Legende nach von einem Tatarenpfeil durchbohrte Marienstatue, und Papst Eugen IV. nannte Hermannstadt 1438 die Verteidigungsbastion der gesamten Christenheit [im Kampf gegen die belagernden Osmanen]).

Die weitere Entwicklung des deutschen Siedlertums war gekennzeichnet durch die gerichts- und verwaltungsmäßige Gliederung in "Stühle" (ungar. székek, lat. sedes) zur Abgrenzung ihrer territorialen Kompetenzbereiche gegenüber den autonomen Siedlungsgebieten der Szekler (und der Kumanen) und den von diesen vorgenommenen Ausgründungen aus ihren teils überkommenen, teils sich territorial verschiebenden Stühlen. Die Zusammenfassung der Stühle im Sinne einer territorialen Neugliederung, damit ihre Bevölkerungen "ein Volk sein mögen", und ihre Unterstellung unter die alleinige Oberhoheit des vom ungarischen König aus dem ungarischen Adel ernannten und vom siebenbürgischen Woiwoden unabhängigen Hermannstädter Gespans (des militärischen Oberbefehlshabers und obersten Verwaltungsleiters) führte zur Bewilligung der "Hermannstädter Freiheit" (Andreanum, auch Andreanischer Freibrief von 1224), welche die königliche Bestätigung und Vereinheitlichung der vorhandenen Autonomierechte darstellte (freie Wahl der Dorfrichter und Priester; Freiheit der gesamten Bevölkerung von jeglicher grundherrlichen Abhängigkeit).

Nicht unwichtig in dieser frühen Entwicklungsphase war die Episode einer vermeintlichen Sicherung Siebenbürgens durch Ansiedlung (1211) des aus dem Heiligen Land vertriebenen Deutschen Ritterordens im Burzenland und dessen alsbaldige Ausweisung (1225) unter König Andreas (András) II. Alle diese Ereignisse schufen die Grundlage, auf der sich die sächsische Nationenuniversität zu ihrer mittelalterlichen Blüte entwickelte und die Zeiten als Selbstveraltungseinheit bis 1878 überdauerte.

Wichtige Ereignisse aus der späteren Zeit wird der Referent zusätzlich erläutern – bis hin zu den Vergleichen, die sich aus der Entwicklung der Zipser Region ergeben. Dort hatten die Einwohner im 13. Jahrhundert zusätzlich und parallel zu der eigenen geistlichen Organisation, der Bruderschaft der 24 königlichen Pfarrer, die politische Organisation vom "Bund der 24 Zipser Städte" mit einer eigenen, an den königlichen Freistädten orientierten Selbstverwaltung geschaffen. Eine einheitliche Rechtsanwendung war ab 1370 durch das Zipser Recht (die "Zipser Willkür") gewährleistet.

Der vorgenannte Bund wurde 1412 aufgelöst, als König Sigismund einen von Polen gewährten Kredit durch Verpfändung der wirtschaftliche Nutzung und der Steuereinnahmen von 13 Zipser Städten besicherte. Damit wurde allerdings deren Selbstverwaltung nicht eingeschränkt, denn rechtlich gehörten die Städte weiter zum ungarischen Königreich. Die Interessenaufteilung zwischen Polen und Ungarn erwies sich sogar als äußerst belebendes Moment für einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung der 13 dann in einem eigenen Bündnis organisierten Städte, von dem die nicht verpfändeten elf restlichen Zipser Städte nicht nur nicht profitieren konnten, sondern der in der Folgezeit nicht einmal die überkommenen Privilegien der elf Städte sichern half. Deren Bedeutungsverlust ging einher mit einem wirtschaftlichen Niedergang und einem (Ver-)Schwinden des deutschen Einflusses.

 
Zur Person des Referenten: Die DUG freut sich, nach längerer Zeit wieder einmal als Referenten Herrn Hon.Prof. Dr. Konrad GÜNDISCH für einen Vortrag in Berlin gewonnen zu haben. 1948 in Hermannstadt/Sibiu geboren, war er nach dem Studium der Geschichte an der Universität in Klausenburg/Cluj Napoca daselbst von 1971 bis 1984 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Archäologie tätig. Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland war er 1985 und 1986 Wissenschaftlicher Mitarbeiter erst in der Forschungsstelle für Personalschriften an der Mainzer Akademie der Wissenschaften., sodann bis 1991 am Historischen Seminar der Universität Tübingen. 1989 wurde er promoviert. Von 1991 bis 1993 arbeitete er als Referent für transsilvanische Forschung an dem in Stuttgart befindlichen Institut für Auslandsbeziehungen und als Leiter der Siebenbürgischen Bibliothek im Landeskundlichen Dokumentationszentrum Gundelsheim. 1993 wechselte Dr. Gündisch nach Oldenburg, wo er im 'Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa' als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig wurde und derzeit Leiter des Wissenschaftsbereichs Geschichte ist, außerdem an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Lehraufträge wahrnimmt.

K.R.

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