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FORUM HUNGARICUM IV (2013) in ILOK (ÚJLAK) / Kroatien

 

Die allgemeinen, für alle FORA HUNGARICA geltenden Hinweise

GRUNDSÄTZLICHES,
ZUR ENTWICKLUNG DES FORUMS HUNGARICUM,
ÜBER DIE REFERENTEN,
ORGANISATION DER FORA HUNGARICA, KOOPERATIONSPARTNER, UNTERSTÜTZER sowie
TAGUNGSBAND

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Das FORUM HUNGARICUM IV fand vom 9. bis 13. Oktober 2013 im ostkroatischen ILOK/Újlak statt.
Es stand unter der Schirmherrschaft von S. E. Hans Peter ANNEN, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Zagreb.

Gemeinsame Veranstalter waren
die Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin,
das Haus des Deutschen Ostens (HDO), München, und
das Internationale Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus (INTEREG), München.

Neben der finanziellen und organisatorischen Unterstützung der vorgenannten drei Organisationen erhielt das FORUM HUNGARICUM IV eine Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS), München.

Die Organisation und Leitung der Konferenz teilten sich
Dr. Meinolf ARENS (Historiker, HDO, München),
Theodora ŽIVKOVIC (Historikerin, Zagreb) und
Klaus RETTEL, Präsident der DUG, Sitz Berlin.

GRUSSWORTE für das FORUM HUNGARICUM IV wurden
– für den dienstlich verhinderten Schirmherren, den deutschen Botschafter S. E. Hans Peter ANNEN, vom Gesandten der deutschen Botschaft in Zagreb, Herrn Valentin GESCHER, übermittelt, ebenso
– für das mitveranstaltende INTEREG von dessen Präsidenten,dem Abgeordneten im Europäischen Parlament, Herrn Martin KASTLER.
Die Texte sind am Ende dieser Seite wiedergegeben.

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FORUM HUNGARICUM IV – Liste der Referenten in alphabetischer Reihenfolge mit den von ihnen behandelten Themen (ohne die Referenten der Kurzvorträge auf der Busexkursion): 

ARENS, Meinolf Dr. (München): Völkische Umsiedlungsprojekte im Frühjahr und Sommer 1944: Der Konflikt um das Schicksal der Moldauer Csángós zwischen Ungarn, Rumänien und dem Deutschen Reich 

BAGI, Zoltán Dr. (Pécs): Einrichtungsentwürfe für Ungarn während und nach der Osmanenherrschaft

BALOGH, András F. Prof. Univ. Dr. (Cluj): Von Griechisch-Weißenburg bis Serinwar: südslawische Kriegsschauplätze in den deutschen Flugschriften des frühen 16. Jahrhunderts

DÁCZ, Enikö M.A. (Budapest): Fragen der Ethnizität der Sathmarer Schwaben

FETKE, Monika M.A. (Cluj): Terézia Moras Roman "Alle Tage" und die Südslawen

FIEDLER, Robert B.A. (Leipzig) / zusammen mit Sebastian Hoppe: Presseberichterstattung über die Orbán-Regierung in Deutschland

GÖZSY, Zoltán Dr. (Pécs): Religiöse Aspekte des Einrichtungswerkes

GRÖBER, Angela M.A. (Leipzig): Ein Volk, ein Wille, ein Weg – Nationale Mobilisierung der Deutschen in der Karpato-Ukraine in der Zwischenkriegszeit

HAARMANN, Daniela Mag.phil. (Wien): Die Entstehung des habsburgischen Veterinärwesens mit Schwerpunkt auf den ungarischen Ländern

HOPPE, Sebastian B.A. (Leipzig) / zusammen mit Robert Fiedler: Presseberichterstattung über die Orbán-Regierung in Deutschland

ILYÉS, Zoltán Doc., Dr., PhD (Miskolc): Erinnerungslandschaft an der "tausendjährigen Grenze". Management des kulturellen Erbes, ungarische Erinnerungskultur und Identitätstourismus in Gyimesbükk (Ghimes-Faget, Rumänien)

IVANCIC, Mirjana M.A. (Budapest): Politische Kultur in der Wojwodina seit der Wende von 2000 – Brüche und Kontiuitäten

JUHÁSZ, Ilona L. PhD (Komárno): Speerhölzer im symbolischen Raum. Beispiele aus dem ungarischen Sprachgebiet in der Slowakei

KAKASHEVA, Katerina M.A. (Skopje): Autonomie- und Regionalismusmodelle in Mazedonien mit einem vergleichenden Blick auf die Wojwodina in Serbien

KOROL, Eva M.A. (München): Für immer "slawische Brüder"!? Mythos und Realität der wechselseitigen Wahrnehmungen zwischen Rußland und Serbien in der Gegenwart

LISZKA, Jozsef Dr. habil, PhDr., PhD (Komárno): Denkmale der persönlichen und kollektiven Selbstrepräsentation. Zu Errichtungsanlässen sakraler Kleindenkmäler im ethnischen Grenzgebiet

MÁDLY, Loránd Dr. (Cluj): Zentrum und Peripherie im neoabsolutistischen Reformismus: Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien-Slawonien, Banat

MEISSNER, Jonathan Paul M.A. (Budapest): "Konterrevolution" in Ungarn 1956 – Reaktionen und Konsequenzen in der DDR

METZ, Franz Prof. Dr. (München): Drei Jahrhunderte Musikkultur der Donauschwaben: Die Rolle einer grenzüberschreitenden und interkulturellen Forschung in der Aufarbeitung unserer gemeinsamen südosteuropäischen Musikgeschichte

OROSS, András Dr. (Budapest): Die Kameralverwaltung Slawoniens nach der Vertreibung der Osmanen 

SCHOLZ, Piotr Prof. Dr. (Lublin – Gdánsk): Belgrad in des Kaisers Hand 1717 – der Triumph des Prinzen Eugen und seine Folgen

SPANNENBERGER, Norbert PD Dr. (Leipzig): Das Politikum im Einrichtungswerk: Zur Relevanz der Migrationspolitik

SPIRIDONOVA, Ekaterina M.A. (München): "No Mopassan! No Croissant! No Marcipan!" Kultur der Protestplakate und -losungen in Serbien 1996/1997 und Rußland 2011/2012

TRASCA, Ottmar Dr. (Cluj): "Kriegsorganisation Rumänien" / "Abwehrstelle Rumänien" und die Zusammenarbeit mit dem rumänischen Geheimdienst 1939-1945

VARGA, János J. Dr. (Budapest): Das Einrichtungswerk als Grundlagenwerk der Transformationszeit

 

Liste der Leiter der Themengruppen (Sektionen) 1 bis 8:

ARENS, Meinolf Dr. (München): Themengruppe 5: Betrachtungen über die Kriege gegen das Osmanische Reich

BALOGH, András F. Prof. Univ. Dr. (Cluj): Themengruppe 4: Deutschland und südosteuropäische Staaten in Zeiten totalitärer Regime

DÁCZ, Enikö M. A. (Budapest): Themengruppe 2: Die serbische Gesellschaft im Umbruch aus vergleichender Perspektive

ILYÉS, Zoltán Doc., Dr., PhD (Miskolc): Themengruppe 3: Zeichen von Grenzen

LISZKA, Jozsef Dr. habil. PhDr., PhD (Komárno): Themengruppe 1:vom Umgang mit Mythen und deren Folgewirkungen

METZ, Franz Prof. Dr. (München): Festvortrag zur Eröffnung des FORUMS HUNGARICUM IV: Drei Jahrhunderte Musikkultur der Donauschwaben: Die Rolle einer grenzüberschreitenden und interkulturellen Forschung in der Aufarbeitung unserer gemeinsamen südosteuropäischen Musikgeschichte – mit Hörbeispielen

RETTEL, Klaus (Berlin): Themengruppe 8: "Lösungen" oder fortgesetzte Tragödien? Umsiedlungs- versus Regionalisierungs- und Autonomiekonzeptionen

SPANNENBERGER, Norbert PD Dr. (Leipzig): Themengruppe 6: Das Einrichtungswerk in den Ländern der Stephanskrone und seine langen Folgen

TRASCA, Ottmar Dr. (Cluj): Themengruppe 7: Der nationale Kampf um Seelen

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GRUSSWORT VON MARTIN KASTLER, MdEP
für das FORUM HUNGARICUM IV in Ilok/Kroatien

Straßburg, den 8. Oktober 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Präsident des "Internationalen Instituts für Nationalitätenrecht und Regionalismus", kurz INTEREG (www.intereg.org), das zu den Trägern des IV. FORUMS HUNGARICUM zählt, übersende ich Ihnen sehr gerne ein Grußwort aus der Europastadt Straßburg, wo derzeit die Plenarwoche des Europaparlamentes tagt.

Zum vierten Mal findet nunmehr das von der Berliner Deutsch-Ungarischen Gesellschaft ins Leben gerufene Forum Hungaricum statt. Es ist eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Plattform für den sich mit Ungarn befassenden wissenschaftlichen Diskurs. Die Konferenz leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Ungarns und seiner Nachbarländer, mit denen es in Geschichte und Gegenwart verbunden war und ist. Im Fokus des diesjährigen Forums stehen die gemeinsame Geschichte Ungarns und Kroatiens sowie Minderheiten- und Nationalitätenfragen besonders in Kroatien und Serbien unter Berücksichtigung der ungarischen, deutschen sowie der nord- und südslawischen Minderheiten.

Damit widmen Sie sich Themen, die auch uns als INTEREG sehr am Herzen liegen. Wir befassen uns mit Minderheitenfragen, regionaler Demokratie sowie dem Nationalitäten- und Völkerrecht im Rahmen von Forschung, Publikationen, Konferenzen und Erwachsenenbildung. Ein immer deutlicher werdendes Phänomen unserer Zeit ist das Anwachsen und die Intensivierung von Nationalitätenkonflikten in fast allen Kontinenten. Da nur neun Prozent der Staaten der heutigen Welt ethnisch homogen sind, in allen anderen Fällen aber in verschiedenem Maße ethnisch, sprachlich oder auch kulturell-geistig und religiös oder auch rassisch unterschiedlich fixierte Mehrheiten und Minderheiten miteinander leben müssen, ist ein globales Konfliktpotential gegeben.

Auffassung der im INTEREG zusammenarbeitenden Persönlichkeiten ist, daß in einem zu entwickelnden Nationalitätenrecht (Volksgruppenrecht) und in den Prinzipien regionaler Eigenständigkeit und Selbstbestimmung Instrumente der Konfliktentschärfung und der Friedenssicherung geschaffen werden können. Wir wollen ein Rechtsverständnis fördern, das sich nicht bloß an Mehrheiten orientiert, sondern qualitativ vom Eigenrecht jeder geschichtlich gewachsenen Ethnie und der freien Entfaltung von Regionen ausgeht. Denn beide zusammen ermöglichen erst die echte Partizipation der Menschen an der Leitung ihrer Geschicke.

Ich bin davon überzeugt, daß eine solche regionale Gliederung nicht die Zerstückelung des Nationalstaates bedeutet, sondern im Gegenteil den Weg öffnet für ein echtes Europa der Regionen. Vor diesem Hintergrund verfolge ich auch die Ergebnisse Ihrer Konferenz mit großem Interesse. Schon jetzt bin ich gespannt auf den Tagungsband, der aus dem IV. Forum Hungaricum hervorgehen wird.

Ihnen allen danke ich sehr herzlich für Ihr Engagement und wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung.

Hochachtungsvoll

Martin Kastler MdEP
Präsident des "Internationalen Instituts für Nationalitätenrecht und Regionalismus", München

 

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GRUSSWORT VON VALENTIN GESCHER,
Gesandter an der deutschen Botschaft in Zagreb, anläßlich des FORUMS HUNGARICUM IV. vom 9. bis 13. Oktober 2013 in Ilok/Kroatien
für den - an der Konferenzteilnahme dienstlich verhinderten - Schirmherren der Konferenz, S. E. Hans Peter ANNEN, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Zagreb
Zagreb, den 11. Oktober 2013

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am IV. FORUM HUNGARICUM in Ilok,
zum Abschluß Ihres mehrtägigen Tagungsprogramms möchte ich Ihnen herzliche Grüße von Botschafter Hans Peter ANNEN wie auch Grüße im eigenen Namen übermitteln. Botschafter Annen, für den es eine Ehre war, die ihm angetragene Schirmherrschaft zu übernehmen, nimmt in Dubrovnik an der Sitzung der Parlamentarischen Versammlung der NATO teil. Auch mir als seinem Vertreter war die Anreise nach Ilok leider unmöglich. Gerne wären wir dabei gewesen.

Deute ich Ihre Tagesordnung richtig, so haben Sie Ihr Forum unter anderem historiscchen Untersuchungen zum Thema europäischer Identitäten gewidmet. Ihre Fragestellung ist brandaktuell.

Die Eurokrise hat das Vertrauen der Bürger in Europa in Mitleidenschaft gezogen. Unter dem Druck der aktuellen Krisenerfahrung werden dabei die - unbestritten - wirtschaftlichen Herausforderungen leicht mit Europa als Ganzem gleichgesetzt. Das stellt wohl nicht nur eine Übertreibung dar, sondern auch eine irreführende Verallgemeinerung. Oder sollten wir von einer (unzulässigen) Verengung sprechen?

Warum lassen wir uns nur allzu oft auf einer derartigen Perspektive festlegen? Ich deute sie als Erklärungsdefizit. Mit Jürgen Habermas können wir wohl festhalten: Wir brauchen Europa! Aber schon der nächste gedankliche Schritt, der auf diese kompakte Feststellung folgt, führt in eine Kontroverse. Wie können wir überwinden, was Habermas auf so vielfältige Art und Weise als unsere eigene normative Unterforderung als Europäer gebrandmarkt hat? Wie der Tendenz entgegenwirken, auf immer komplexere Tagesanforderungen mit immer kurzatmigeren Lösungskompromissen zu reagieren? Wie der Wahrnehmung schrumpfender Handlungsspielräume entgegentreten, die nicht selten einen Verzicht auf Gestaltungsoptionen vorwegnimmt?

Antworten wurden vielleicht auf Ihrem Kolloquium gegeben. Es sind Untersuchungen wie die Ihrigen, die dabei helfen können, Erklärungsdefizite auszuräumen, Standortbestimmungen zu erarbeiten und damit zur aktuellen Identitätsfindung beizutragen. Globale Aussagen helfen dabei wenig.

Im Gegenteil, es geht um Differenzierungen. Unter anderem um die vielseitigen Wechselbeziehungen zwischen nationalen, regionalen und lokalen Identitäten. Diese Fragestellungen weisen über den bilateralen Rahmen deutlich hinaus. Daher würdige ich ganz besonders, daß das FORUM HUNGARICUM die besondere Mühe auf sich genommen hat, in einem Drittland zu tagen, um auch durch diesen Umstand die wechselnden Geometrien historischer Nachbarschaftsverhältnisse nochmals deutlich hervorzukehren. Wenn es überhaupt einen gemeinsamen, verbindenden Erklärungsrahmen geben kann, dann wohl nur unter Berufung auf die schillernde Textur der historischen Einzelerfahrungen und -besonderheiten, so wie Sie sie in Ihren Themengruppen angerissen haben.

In diesem Sinne bin ich gespannt, welche Tagungsergebnisse Sie mit nach Hause nehmen werden. Für morgen wünsche ich Ihnen zur Abrundung Ihrer Tagung noch ein interessantes, ergiebiges Besichtigungsprogramm und darauf folgend eine gute und sichere Heimfahrt.

Mit freundlichen Grüßen
Valentin Gescher
Deutsche Botschaft Zagreb