Seit 1991 die einzige deutsch-ungarische Gesellschaft mit Sitz in der deutschen Hauptstadt

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SEIEN SIE HERZLICH WILLKOMMEN BEI DER DEUTSCH-UNGARISCHEN GESELLSCHAFT E.V. (DUG) MIT SITZ IN DER DEUTSCHEN HAUPTSTADT!

Allen Mitgliedern und Freunden der DUG einen schönen und besinnlichen 1. Advent!

Der von seinen Nachfahren mit Beiworten wie Satiriker oder Aphoristiker geschmückte altrömische Dichter Horaz*, tatsächlich ein nimmermüder Erkunder des täglichen Lebens und dessen Weisheiten, mahnte jeden seiner Mitmenschen "Nutze den Tag" ("Carpe diem"). Auch zweitausend Jahre nach seinem Tode gebrauchen selbst Nicht-Lateiner diese Worte, unterschlagen aber Horaz' Ergänzung "... und verlaß' Dich nur wenig auf den folgenden (Tag)" - "... quam minimum credula potero!" Kürzer liest sich diese Sentenz so: "Nutze das Heute, und vertrau' wenig auf das Morgen!"

 

Mit dem am heutigen Ersten Adventssonntag beginnenden Kirchenjahr der katholischen und der protestantischen Christenheit feiern die Gläubigen einen auf 365 Tage begrenzten Zyklus vom Werden und vom Vergehen, symbolisiert durch Weihnachten und Ostern. Früher war es auch der Beginn einer bis zum Heiligen Abend reichenden Fastenzeit, die mit der dann verkündeten frohen Botschaft der Geburt des Gottessohns ihr Ende fand.

 

Doch auch für den Nichtgläubigen ist das "Carpe diem" eine frohe Botschaft, denn jeden Tag, jede Stunde und jede Sekunde darf er, ja, soll er das Zeitmaß nutzen - nicht zum Schuften, aber auch nicht zum Vertrödeln. Vielmehr soll er es nutzen für ein schlichtes Leben in Bescheidenheit - dazu mahnt ihn das "carpe", welches dessen ursprünglichem Sinne nach dem Pflücken von Obst und Feldfrüchten entsprach, also der Selbstversorgung der Menschen mit dem, was die Natur ihnen anbot. Und so sollen sie mit Bedacht und nicht im Überfluß genießen.

 

Und so sollen die Menschen es auch mit dem vermeintlichen Überfluß an Zeit halten. Denn die Tage und Stunden sind gezählt! Sie sollen bis zur Neige ausgekostet und genossen werden. Morgen ist dann ein anderer Tag!

 

Nutzen Sie also aus der Fülle der Tage jeden einzelnen und genießen Sie die restlichen Tage dieses Jahres und über das Jahr hinaus.

 

Eine frohe Adventszeit wünscht Ihnen

 

Ihr Klaus Rettel, Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft e. V. (DUG) mit Sitz in Berlin.

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* Übertragen auf unsere heutige Zeitrechnung lebte Quintus Horatius Flaccus vom Jahre 65 bis zum Jahre 8 v. Chr. Sein Geburtstag entspräche in etwa dem 8. Dezember, sein Todestag dem 27. November. Sein "carpe diem" ist in einer der Leukonoe gewidmeten Ode enthalten, in der er rät, sie solle die knappe Lebenszeit heute genießen und es nicht auf den nächsten Tag verschieben. Die Ode entstand nachweislich im Jahre 23 v. Chr. - also vor 2045 Jahren in seinem 42. Lebensjahr. Was er schrieb, entsprang nicht dem Geist eines verbitterten und verarmten Mannes, auch wenn er die bescheidene Lebensführung in seinem Elternhaus immer rühmte; aber seine Eltern konnten ihm eine kostspielige Ausbildung zuerst in der Provinz, später in Rom ermöglichen, die die Grundlage zu seinem Aufstieg zum Militärkonsul darstellte, einem der höchsten Posten nach dem Kaiser. Da er in den üblichen politischen Wirren nach dem Tode eines Kaisers bis zur Bestimmung eines Nachfolgers auf das "falsche Pferd" gesetzt hatte, wurde er seines Amtes enthoben und kehrte zur Schriftstellerei zurück.